In Lateinamerika etwas bewegen

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Von den weltweit 400 Millionen spanischen Muttersprachlern leben ungefähr 85 % in Lateinamerika. Dieser facettenreiche Kontinent erstreckt sich von den blauen Gletschern des Feuerlandes über die unberührten Regenwälder in Zentralamerika bis hin zu den sonnenverbrannten Wüstenlandschaften Mexikos. Die Kulturen Lateinamerikas sind ebenso vielfältig wie seine Landschaften. Jedes Land, jede Stadt hat eine eigene Geräuschkulisse, spezifische Gerichte und Traditionen mit vielfachen einheimischen Einflüssen. Und Alles ist vermischt mit kolonialen und eingebrachten Traditionen. Hier können Sie Spanisch lernen und gleichzeitig eine unvergleichliche Lebenserfahrung machen.

Die lateinamerikanischen Länder müssen sich sowohl im sozialen wie auch im umweltbezogenen Bereich vielen Herausforderungen stellen. Auf einer Seite gibt es die reale Armut. Auf der anderen Seite ist die Artenvielfalt, welche gewisse Orte so attraktiv gestaltet, der Gefahr menschlicher Einwirkungen ausgesetzt. Mit dieser Tatsache im Hintergrund arbeiten unsere Partnerschulen an der Verbesserung ihrer Umweltbilanzen, indem sie ihren Studenten einen authentischen Einblick in das lokale Leben erlauben. Dies geschieht vor Allem mit Volontariats Projekten zur Unterstützung von ortsansässigen Gemeinschaften. Für die Studenten wird dies eine Erfahrung, die den Verlauf ihres Lebens vollständig verändern kann.

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„Als freiwilliger Helfer aus Europa oder Nordamerika haben Sie hier während Ihres Aufenthalts vielleicht keinen grossen Einfluss auf die Dinge. Ich denke jedoch, dass Sie nicht mehr dieselbe Meinung haben, wenn Sie wieder zu Hause sind. Das ist bei dieser Erfahrung das Grösste“ meint Julio J. Santamaria Barria von Habla Ya in Panama. Die Dinge, die Sie während eines kurzen Aufenthaltes in Bewegung setzen können, sind vielleicht begrenzt, doch Sie erhalten im Gegensatz zu Touristen eine tiefe Einsicht in die lokale Kultur. Ausserdem hilft Ihr Einsatz den ansässigen Organisationen effektiv. Einige Studenten setzen ihren Beitrag an lokale Projekte auch lange nach Ihrer Rückkehr nach Hause noch fort.

Casa Esperanza ist ein Projekt in Boquete, an dem einige Studenten von Habla Ya aktiv teilnehmen. Die Organisation ermutigt ansässige Kinder, in der Schule zu bleiben, indem sie diese morgens zu Hause abholt, ihnen ein Mittagessen bietet und sie im Schulzentrum beaufsichtigt, bis ihre Eltern von der Arbeit nach Hause kommen. „Und so können sich die Studenten beteiligen: bei den Aktivitäten mithelfen, mit den Kindern Sport treiben und bei der Organisation von Seminaren helfen, mit denen Kenntnisse über Computer oder die englische Sprache vermittelt werden,“ sagt Julio. Die Schule koordiniert diese Tätigkeit mit Casa Esperanza und ermutigt die Studenten, ihre Kenntnisse  und Interessen mit der wohltätigen Organisation zu teilen. „Das gefällt den Studenten. Sie betrachten es als eine bereichernde Tätigkeit, weil sie damit eine bedeutende Rolle wahrnehmen können.“ Die Studenten haben auch die Möglichkeit, die lokale Bevölkerung zweimal in der Woche durch Englischunterricht zu unterstützen, den sie am Abend kostenlos erteilen.

Habla Ya hat einem Mitglied seines Teams die Rolle übergeben, das Volontariat Programm in Boquete zu organisieren und hat auch die Absicht, in nächster Zukunft dieselbe Aufgabe einem Angestellten in Bocas del Toro zu übertragen. Das bedeutet, dass Studenten mit besonderen Kenntnissen an Projekten arbeiten können, welche aus diesen Kompetenzen einen realen Nutzen ziehen können. Ein Beispiel dafür ist das ansässige Waisenhaus, das misshandelte Kinder aufnimmt. Aus begreiflichen Gründen und wegen der besonderen Art dieser Arbeit müssen die Studenten imstande sein, sich klar auf Spanisch verständigen zu können. Sie müssen auch Erfahrung im Umgang mit problembelasteten Kindern haben. Ausserdem sollten sie dem Projekt einen ganzen Monat widmen können. „Wir haben jedes Jahr eine Handvoll Studenten, die im Waisenhaus arbeiten möchten. Und jene, die dies tun, erleben eine tiefgreifende Erfahrung.“

Ein weiteres Projekt, welches ebenfalls spezifische Kenntnisse erfordert, wird bei Habla Ya in Bocas del Toro durchgeführt. „Die schwimmenden Ärzte sind eine Gruppe von Medizinern aus den USA, die in ganz Zentralamerika herum reisen. Wenn also einer unserer Studenten über medizinische Kenntnisse verfügt kann er damit aushelfen, zum Beispiel wenn die Ärzte sich einmal im Monat zu einer entfernt angesiedelten Gemeinschaft begeben“, sagt Julio. „Es ist eine grossartige Chance, sich beim Ausüben eines medizinischen Berufes in Spanisch zu üben. In den USA ist dies anscheinend wirklich nützlich.“

Andere Projekte wiederum erfordern keinen spezifischen Background und eignen sich das ganze Jahr über sehr gut als Ergänzung für die Spanischkurse. So können zum Beispiel Studenten beim Real Boquete Recycling, dem wahrscheinlich effizientesten Recycling Programm in Panama, aushelfen.  Es lehrt die ansässigen Kinder, den Abfall wieder zu verwerten. Die Schule erhält für die gesammelten Abfälle Geld, das in Ressourcen investiert werden kann. „Das macht einen großen Unterschied aus,“ sagt Julio, „die Eltern der Kinder bringen jetzt Dinge zum Recycling ins Kurszentrum. Unsere Studenten helfen, indem sie Flyers mit Informationen über das Projekt verteilen, Schulen besuchen und mit den Kindern sprechen oder in den Zentren direkt mit den Materialien arbeiten. „Die Studenten können ebenfalls ein lokales Zentrum für betagte Personen besuchen und mit den Heiminsassen sprechen, Karten spielen oder mit ihnen in der Stadt herumspazieren. „das ist eine schöne Gelegenheit für die Anwendung der Sprache außerhalb der Spanischkurse.“

Der ESL Partner Academia Columbus hat Kurszentren in EcuadorCosta Rica und Mexiko.  Katrin Uphoff erklärt, dass die Studenten der Schule „nicht nur einfach Spanisch lernen, sondern auch die lateinamerikanische Kulturen verstehen und deren natürliche Ressourcen kennen lernen sollten. Für die Einheimischen spielt die Natur eine wichtige Rolle in ihrem Leben, ob sie nun in ihrer unmittelbarer Nähe leben (Mayas, die im Dschungel ansässig sind oder Bürger, die nahe bei einem aktiven Vulkan wohnen), daraus einen Nutzen ziehen (Landwirtschaft, Kaffeeplantagen, Strände, usw.) oder mit ihr leben (mit der lokalen Tier- und Pflanzenwelt, deren Schönheit offenbar wird beim Tauchen mit Meerschildkröten, beim Besuch eines Parks mit Affen oder beim Bergsteigen in den schneebedeckten Anden. Genauso erleben wir die Gefahren, zum Beispiel Krokodile in den Flüssen, Pumas im Dschungel oder aktive Vulkane). Die Natur ist untrennbar mit der Geschichte und der Kultur der verschiedenen Länder verbunden.“

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Academia Columbus organisiert im Umwelt- oder Sozialbereich verschiedene Volontariats Projekte. Umweltbezogene Volontariats Projekte beinhalten zum Beispiel ein Programm zumSchutz der Meeresschildkröten in Mexiko, zur Instandhaltung und Konservierung der Naturpärke in Costa Rica,  Volontariats Einsätze auf den Galapagos Island, Forschungsarbeiten und/oder Instandhaltung und Konservierung des Regenwaldes in Ecuador. „Weitere Beiträge zu lokalen Sozialprojekten leisten wir mit unserem Kurs „Clinical Shadowing und Spanisch“ in Mexiko, wobei die Studenten am Morgen 4 Lektionen Spanisch erhalten und am Nachmittag für das Rote Kreuz in Playa del Carmen arbeiten oder mit einem ansässigen Arzt auf Besuch zu den Mayas gehen.“

Umweltbezogene Themen

Academia Columbus arbeitet auch intensiv an seiner internen SVU Strategie. Wir bei ESL nehmen SVU Kriterien sehr ernst und ermutigen unsere Partnerschulen auf aktive Weise, unser Engagement zu teilen. Einer der drei Stützpfeiler der Nachhaltigkeit ist der umweltbezogene Einsatz und Academia Columbus hat eine ganze Reihe von positiven SVU Strategien. So werden zum Beispiel alle Studenten höchstens 30 Gehminuten vom Kurszentrum entfernt untergebracht, was dazu beiträgt, dass unnötige Wege verkürzt werden (was allen davon Betroffenen gelegen kommt). In Mexiko und Quito ist der tatsächliche Schulweg noch bedeutend kürzer. Bei der Unterkunft kann man feststellen, dass die Studenten gebeten werden, ihren Abfall zu vermindern und den Strom abzuschalten, wenn man keinen Bedarf dazu hat. Alle Abfälle der Schule werden getrennt und die Studenten werden gebeten, das auch zu tun.

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Die Schulen Academia Columbus ermutigen ihre Studenten auch, Umweltfragen anhand der Kurse und der Kursinhalte zu überdenken. Die Schule in Costa Rica veranstaltete kürzlich zur Feier des Welt-Umwelt-Tages einen Poster Wettbewerb. Studenten und Schulpersonal nahmen mit dem Erstellen eines Posters, auf dem Mitteilungen zu Gunsten der Natur und des Planeten standen, daran teil.

Katrin ist begeistert von den neuen Kursen „Spanisch und Ökologie“ in Costa Rica. „Wir sind immer noch am Erstellen dieses Programms, doch es wird eine Mischung aus Standard Spanisch, einem spezifisch auf den Ökologie-Wortschatz ausgerichteten Kurs, Vorträge über Umweltschutz und Besuche von umweltfreundlichen Unternehmen sowie wahrscheinlich die Möglichkeit, nachher an einem Volontariats Projekt teilzunehmen. Wir möchten diesen Kurs im Jahr 2013 starten.“

Offizielle (und fehlende) Unterstützung

Eine Herausforderung für alle unsere lateinamerikanischen Partnerschulen ist das Fehlen einer Art staatlicher Unterstützung, die heute in Europa gang und gäbe ist. „Hier gibt es viele Herausforderungen, wie etwa im Bereich Recycling“, sagt Katrin und betont, dass das Recycling ausser in Costa Rica, wo der Abfall ohne Zusatzkosten getrennt eingesammelt wird,  allgemein sehr lückenhaft ist. In Mexiko zum Beispiel wird der getrennt bereitgestellte Abfall durch dasselbe Unternehmen eigesammelt und dann wieder vermischt. „So macht das Recycling natürlich nicht viel Sinn“.

Julio von Habla Ya ist auch beunruhigt über das Fehlen von staatlicher Hilfe an die lokalen Gemeinschaften in der Umgebung seiner Schulen. Darum gibt es in der Region so viele Gelegenheiten für die Studenten, Volontariats Arbeiten zu leisten. „Es gibt im Land viel Geld, doch es wird teilweise wegen der Korruption nicht dort eingesetzt, wo es dringend nötig wäre. Die schwimmenden Ärzte haben in Bocas del Toro deshalb eine grosse Bedeutung, weil unser lokales Krankenhaus nicht über genügend Geld verfügt.  Wie viele der anderen ansässigen Wohlfahrtsorganisationen wird es von Ausländern geleitet, die hierher kamen, weil sie wussten, dass sie durch ihre Herkunft über einen Vorteil verfügten. Die erfolgreichsten Initiativen sind gewöhnlich privater Natur und werden von grossen Unternehmen unterstützt.“

Doch das Fehlen von Unterstützung kann nicht der Grund sein, sich nicht einzusetzen. Julio hat für Alle, die einen Einsatz zu Gunsten eines gemeinschaftlichen Volontariats Programms planen, einen guten Rat: „Es sollte kein Nebenprojekt sein. Wir haben eine Person eingestellt, die unser Volontariats- und Wohltätigkeitsarbeiten leitet – und das war schon ein grosser Schritt vorwärts. Sie können etwas bewegen!“

Erfahren Sie hier mehr über die Programme Gap Year von ESL (für Aufenthalte von 3 Monaten oder mehr) und Spanischkurse (jeglicher Dauer).