Ich mag Kricket nicht… Ich liebe es!

In den nächsten Monaten findet eines der größten sportlichen Ereignisse unseres Planeten statt – und Sie wissen vielleicht bis heute noch nichts davon. Bei den schätzungsweise 2,5 Milliarden Kricketfans weltweit ist die Erwartung allerdings groß.

Der zweitbeliebteste Sport der Welt wird auf allen Kontinenten und in fast allen ehemaligen Kolonien Großbritanniens ausgeübt (außer in Ländern, in denen Hockey auf Eis gespielt wird). Die Einheimischen sind an der diesjährigen Weltmeisterschaft nicht die Favoriten – auch wenn heute noch niemand auf Südafrika, den Titelverteidiger Indien oder den gemeinsamen Gastgeber Neuseeland setzen will.

Was Sie über Kricket wissen müssen

Wenn Sie nicht mit Kricket aufgewachsen sind kann Ihnen das Spiel zuerst ein wenig langweilig erscheinen. Doch Sie sind bestimmt einverstanden, dass ein Drittel der Weltbevölkerung mit seiner Begeisterung für diesen Sport nicht falsch liegen kann.

Das Ziel des Spiels ist es, so viele Runs wie möglich zu verzeichnen: ein Werfer (Bowler) spielt den Ball dem Schlagmann (Batsman) zu, der versucht, den Ball mit seinem Schlagstock über die Feldspieler hinaus zu schlagen und damit Zeit zu haben, ans andere Ende des Spielfeldes zu rennen und einen Run zu verbuchen. Der Schlagmann ist „out“, wenn sein Ball von einem Feldspieler abgefangen wird oder wenn der Werfer den Wicket (zwei kleine Holzstäbe) aus dem Stump (drei Holzstäbe, die hinter dem Schlagmann in der Erde stecken) schlägt oder einen Ball, der normalerweise den Stump getroffen hätte, mit seinem Bein blockiert. Das sind die Grundregeln.

Es gibt verschiedene Arten, Kricket zu spielen – das reicht von sogenannten Twenty20-Matchs, die ungefähr drei Stunden dauern bis hin zu Testmatchs über mehrere Tage. Die diesjährige Weltmeisterschaft besteht aus einem „Ein-Tage-Kricket“, der wahrscheinlich beliebtesten Spielform. Jedes Match dauert einen Tag, darin inbegriffen sind Mittagessen und die nachmittägliche Tee-Pause.

Kricketkultur

Von außen betrachtet erscheinen die Kricketspieler als die höflichsten unter den Spielern allen Sportarten. Während den Trainingslagern in den traditionsreichsten Regionen Englands kann man Spiele sehen, die in einem friedvollen Dorf im Grünen ausgetragen werden und ein Ereignis aus einem anderen Jahrhundert zu sein scheinen.

Auch wenn Kricket bestimmt zivilisierter ist als andere Sportarten wären Sie über die Bemerkungen der Spieler in Bezug auf ihre Teamkollegen geschockt. „Sledging“ heißt das Beschimpfen der Gegner, bei dem versucht wird, diese mit wüsten Anschuldigungen aus der Bahn zu werfen. Die Australier sind Meister in dieser Kunst. Je intelligenter die Beschimpfung ist, desto schlagkräftiger kommt sie an. Die besten kommen ins Kricket-Folklorealbum.

So nannte zum Beispiel der pakistanische Spieler Javed Miandad während eines Testspiels den australischen Spitzenspieler Merv Hughes einen „fetten Busfahrer“. Hughes schlug Miandad kurz danach an, und als er ihm hinten nachrannte sagte er lächelnd: „Tickets bitte“.

Eine andere Legende erwähnt den australischen Spieler David Boon und die 52 Büchsen Bier, die er 1989 auf einem Flug von Sydney nach London in sich hineingoss.

Doch eigentlich sind die Kricket-Beschimpfungen im Vergleich zu anderen Sportarten eher höflich. Der ehemalige Kricketspieler Rod Marsh meint: „Wir waren uns immer bewusst, dass Anspielungen auf Ehefrauen, Freundinnen, Mütter usw. absolut verboten sind“.

Skandale

In den letzten Jahren gab es verschiedene Auseinandersetzungen in der Welt des Kricketspiels. Sie gingen im Verhältnis ihres Schweregrades von Manipulationen (einseitiges Aufrauhen der Oberfläche) des Lederballs, um seine Wurfbahn zu beeinflussen, bis hin zu systematischen Spielbetrugen durch okkulte Sportwetten-Syndikate.

Einer der berühmtesten Zwischenfälle geschah 1981 beim letzten Ballwurf eines Spiels zwischen Australien und Neuseeland. Neuseeland brauchte zum Sieg noch sechs Runs, und das war nur möglich mit einem Ballschlag über die Abgrenzung hinaus, ohne dass der Ball den Boden berührte. Der australische Werfer ließ den Ball langsam des Spielfelds entlang rollen und verunmöglichte damit die sechs Runs.

Der neuseeländische Premierminister bezeichnete den Zwischenfall danach als „den widerlichsten Vorfall, an den ich mich in der langen Geschichte des Krickets erinnern kann“, und als eine absolute Feigheit“.

Die meisten Zwischenfälle betreffen Spieler mit zu viel Energie oder Freizeit, die während der Wettkämpfe ihr „drittes Bein“ auf zu enthusiastische Art einsetzen.

Legendäre Spieler

Einige der grössten Spieler aller Zeiten sind Muttiah Muralitharan (Sri Lanka), Sachin Tendulkar (Indien), Wasim Akram (Pakistan), Viv Richards (Westindien), Ian Botham (England) und Don Bradman (Australien).

Wenn Sie sich nicht sicher sind, wer unter den genannten Champions der größte ist gibt es ein einfaches Mittel, dies zu erfahren: starten Sie eine Suche auf Internet – aber geben Sie nur den Namen des jeweils dem Land entsprechenden Spielers ein. Also nicht einen englischen Namen in Australien oder einen pakistanischen Namen in Indien suchen…

Kricket Fachausdrücke

Duck – angespielt werden und keinen Run erzielen

Howzat? – korrekt “how’s that?” – +Wie geht das?“ – wenn die Spieler versuchen, den Schiedsrichter zu überzeugen, dass der Schlagmann “out” ist.

Innings – ein Spieler oder eine Mannschaft kommt zum Abschlagen.

“It’s just not cricket” „Das ist kein Kricket“ – wenn sich jemand unsportlich oder unfair benimmt (wird gewöhnlich nicht während eines Kricketspiels eingesetzt)

LBW – Leg before Wicket – Beine vor dem Wicket – wenn ein Schlagmann seine Beine benutzt, um den Ball vor dem Aufschlag auf die Holzstäbe zu stoppen.

Over – sechs aufeinander folgende Bälle durch einen einzigen Werfer.

Stumps – Die Holzstäbe, die vom Schlagmann verteidigt werden. Heute sind darauf Kameras fixiert.

Wicket – der Satz aus Holzstäben und Stützen oder das Spielfeld oder der Platzverweis eines Schlagmanns

Weltmeisterschaft: wann und wo?

Die ICC Kricket Weltmeisterschaft findet vom 14. Februar bis zum 29. März 2015 an verschiedenen Orten in Australien und Neuseeland statt. Das Finalspiel ist in Melbourne.

Wen anfeuern?

Afghanistan hat erst 2001 eine Nationalmannschaft aufgestellt und ist bereits für das diesjährige Turnier qualifiziert. Wahrscheinlich gewinnt das Team nicht, doch es wird bestimmt eine warmherzige Begrüßung erhalten.

Haben Sie schon mal Kricket gespielt? Oder auf einem Flug 52 Biere getrunken? Teilen Sie Ihre Erfahrungen mit einem Kommentar!

Bildnachweis: John Turner (CC BY 2.0) Edd’s Images (CC BY 2.0) Pulkit Sinha (CC BY-SA 2.0)
Print Friendly