ESL Travel Blogger – David verabschiedet sich von Berlin

Seit meiner Rückkehr aus Berlin ist bereits eine Woche vergangen! In meinem Kopf spuken immer noch Bilder und Geräusche herum: die Graffitis in den verschiedenen Vierteln der Stadt, die großen Parks, das bekannte Klingeln der S-Bahn und der Geruch der Currywurst… Selbst wenn es bereits eine Weile her ist: Ich habe das Gefühl, immer noch in Berlin zu sein. Es war eine intensive Erfahrung; alles ging so schnell, dass ich mich jetzt hier, in meiner ruhigen Schweiz, ein bisschen mulmig fühle – aber ich weiß, dass ich mich wieder daran gewöhnen werde! Seit meiner Reise und meiner Rückkehr haben mir die Leute viele Fragen in Bezug auf mein „Abenteuer“ gestellt. In meinen letzten Artikeln sprach ich viel über Berlin, und jetzt beantworte ich diese Fragen hier auf meine ganz persönliche Art:

 

Wie würdest du Berlin beschreiben?

Für Europa, aber auch für Deutschland, stellt Berlin eine ganz besondere Stadt dar! Aufgrund der reichhaltigen Alternativkultur würde ich Berlin zuerst als multikulturell und künstlerisch beschreiben. Für mich ist es aber auch eine Stadt, die eine schmerzvolle Vergangenheit aufweist, und das spürt man. Man muss nicht alle Museen besuchen und viele Geschichtsbücher lesen. Ein Spaziergang im Osten und im Westen der Stadt lässt die Geschichte aufleben und man kann sehen, was darauf aufgebaut wurde. Eine solche Vergangenheit hätte die Bevölkerung und die Mentalitäten definitiv spalten können – doch das ist nicht der Fall!

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Berlin ist eine Stadt, die man ganz anders wahrnimmt als klassische und glamouröse Hauptstädte wie Paris oder Rom. Berlin ist der Antiheld von Städten  mit viel Sexappeal, und ich muss sagen: Nicht jedermann fühlt sich von der Stimmung und der Persönlichkeit dieser Stadt angezogen. Ich persönlich war bezaubert von Charme dieser untypischen Stadt, vom Mix der Kulturen und der Menschen und von der Vielfalt an Kunst, die man auf Straßen und Plätzen antrifft. Ich habe das Gefühl, dass Berlin eine Stadt ist, die ungestört wachsen und sich entwickeln kann und dabei Freiheit und Zuwendung von Seiten der neuen Generation genießt. Diese neue Generation möchte sich nur auf die Gegenwart konzentrieren.

 

Wie waren die Leute, die du dort angetroffen hast?

Bei Reisen und Sprachaufenthalten im Ausland besteht ein toller Teil darin, andere Lebensarten zu entdecken und viele Hände schütteln zu können! Als Geschichtenerzähler liebe ich es, den Storys von Menschen, die ich auf der ganzen Welt angetroffen habe, zuzuhören. In Berlin machte es Spaß, so viele verschiedene Kulturen zu vergleichen und damit umzugehen. So waren zum Beispiel einige meiner Mitstudenten 17 Jahre alt, noch auf der Mittelschule, und wollten ihre Sprachkenntnisse im Hinblick auf ihre Examen verbessern – während andere bereits mehr als 33 Jahre alt waren, nur einen kleinen Break nach Beenden einer Arbeit machen und ihren Wortschatz erweitern wollten!

Etwas, das ich auch besonders mochte, war die Tatsache, dass uns alle etwas Gemeinsames verband: wir hatten uns alle, mit verschiedensten Vorgeschichten, für Berlin entschlossen. Englisch ist zwar ein einfaches Kommunikationsmittel, doch es war die deutsche Sprache, die uns alle zusammenhielt! Es war, als suchten wir alle in dieser Stadt etwas Besonderes, nur für uns Bestimmtes! Das war ein Thema der Diskussionen, wenn ich mit meinen „Klassenkameraden“ irgendwo herumhing.

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Ich war auch immer begeistert, wenn ich zum Beispiel nach dem Abendessen und beim Gitarrenspielen mit meiner Gastfamilie Geschichten über die Türkei und Deutschland hörte. Sie kamen aus der Türkei, diesem Land mit einem Mix aus Asien und Europa, und ich erfuhr vieles über die türkische Kultur in Deutschland (die Türken bilden in Deutschland die größte ausländische Gemeinschaft). Ich finde, das ist eine originellere Art, die deutsche Kultur zu entdecken: Es ein anderer Blickwinkel, der jedoch ebenfalls zur heutigen Identität gehört. Berlin erleichtert den Kontakt mit seinen Einwohnern, und man kann hier schöne gemeinsame Momente mit ihnen verbringen.

 

Was hast du gelernt?

Ganz ehrlich; diese soziale Erfahrung war für mich vollkommen neu. Ich bin normalerweise ein Künstler und Filmschaffender, und als Travel Blogger lernte ich einen ganz neuen Job. In Sachen Kunst und Bildmaterial bin ich gewöhnlich sehr kreativ, und dafür brauche ich viel Zeit. In Berlin lernte ich, sehr momentbezogen und spontan zu sein und meine Erfahrungen täglich auf den sozialen Netzwerken zu teilen! Das war eine Herausforderung für mich, weil ich wirklich versuchte, mich in dieser Stadt kreativ auszudrücken und nicht als Tourist auftreten wollte. Ich wollte, dass die Leute Berlin mit meinen Augen sehen konnten.

Wie auf allen meinen Reisen lernte ich eine neue Seite meines Wesens kennen. Ich fühlte mich wie eine Art Journalist, als ich die vielen Orte wie ein kleiner Abenteurer besuchte und am Ende des Tages (oder wenn ich Zugang zum Internet hatte) meine Erfahrungen veröffentlichte. Ich spürte auch, dass man dynamischer wird, wenn man einen Auftrag ausführen muss. Und schließlich bemerkte ich, dass diese Erfahrung viele Gemeinsamkeiten mit meinen künstlerischen Tätigkeiten hatte: Ich lernte neue  Menschen kennen, die Zeit verging schnell, und manchmal meinte ich, alles laufe schief – doch am Ende stimmte es doch!

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Jetzt sind viele Tage vergangen, seit ich Berlin verlassen habe. Es ist sehr spät (oder sehr früh morgens?), ich sitze an meinem Schreibtisch in der Schweiz, weit entfernt von der gelben U-Bahn, und denke an meine Zeit in dieser Stadt. Ich realisiere, dass ich unbewusst etwas gesucht habe, als ich dieses Projekt anging; etwas, das ich immer noch nicht beschreiben kann, etwas, das man nicht kaufen kann, das mich glücklich macht und mich immer wieder motiviert, weiterzugehen: Gefühle und Empfindungen.

Ich möchte allen danken, die meine Berichte verfolgt haben, mir bei dieser Reise geholfen haben und es mir möglich machten, dieses Abenteuer zu genießen. Ich hoffe nun, dass ich bald wieder einmal reisen und bloggen kann! Wer weiß?

 

P.S:  Ich habe einen kleinen Film gedreht, der zusammenfasst und zeigt, was ich sah und wie ich Berlin erlebte. Sieht in euch an!

 

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