1 kleines Land – 4 Landessprachen. Na und?

Sprachen lernen Juli 28, 2016

Im ihrem alltäglichen Leben sprechen 41,9 % der Schweizer regelmäßig zwei oder mehrere Sprachen oder Dialekte pro Tag. Das heißt konkret, dass die Hälfte der Einwohner dieses kleinen Landes sich in mehreren Sprachen ausdrücken kann. Kulturell betrachtet ist das ein wahrer Reichtum!

 

Zusammenleben mit 4 offiziellen Sprachen

Laut Artikel 4 der Bundesverfassung sind die Landessprachen der Schweiz Deutsch, Französisch, Italienisch und Romanisch. Als wahre Drehscheibe im Zentrum Europas bezeugt die Schweiz der individuellen Mehrsprachigkeit eine hohe Wertschätzung.

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Das Schweizer Politsystem – Föderalismus und direkte Demokratie mit einer sehr breiten Autonomie für Kantone und Gemeinden, ergänzt durch eine große Sprachenfreiheit – erscheint als Garant für den Erhaltung der Mehrsprachigkeit und den Fortbestand der drei lateinischen Minderheiten. Diese könnten in puncto Anzahl Muttersprachler und Status nicht verschiedener sein.

 

Sprachliches „Patchwork“

Von den 26 Schweizer Kantonen sind offiziell 17 deutschsprachig, 4 französischsprachig, 1 italienischsprachig – und 4 sind mehrsprachig, darunter 3 zweisprachig und 1 dreisprachig.

Sind die Schweizer sprachbegabt? Stimmt das wirklich? Eine Studie über dieses Thema stellt heraus, dass die Deutschsprachigen bessere Kenntnisse in Französisch als zweite Sprache haben als die Westschweizer in Deutsch. Es ist demnach die Mehrheit, die sich als kompetenter erweist und mehr Interesse an der anderen Sprachgemeinschaft zu bezeugen scheint. Was die Italienischsprachigen anbetrifft – sie lernen im Laufe ihres Hochschulstudiums nördlich der Alpen Deutsch oder Französisch und fühlen sich im Allgemeinen zur Zweisprachigkeit berufen! Die Romanischsprachigen hingegen werden durch ihre ziemlich ungewöhnliche Muttersprache schlichtweg gezwungen, eine zweite Sprache zu lernen: gewöhnlich entscheiden sie sich für Deutsch oder Italienisch. Insgesamt sprechen alle Schweizer eine zweite Landessprache.

 

Den Röstigraben überwinden!

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Der berühmte Röstigraben teilt die deutschsprachige von der französischsprachigen Schweiz und drückt sich bei Abstimmungen konkret aus, indem er offenkundige kulturelle Unterschiede aufdeckt. Doch die Schweizer wissen genau: die einzige Möglichkeit, andere Menschen, ihre kulturellen Eigenheiten und ihre Lebensart zu verstehen besteht im… Lernen ihrer Sprache!

In der Schweiz gibt es unzählige Argumente für das Lernen von mindestens einer anderen Landessprache. So ist es zum Beispiel auf den Schweizer Straßen empfehlenswert, gewisse Kenntnisse der anderen Landessprachen zu haben – ansonsten man in amüsante Situationen verwickelt werden kann. So wie diese französischen Touristen, die verzweifelt nach der Stadt Sierre im Wallis suchten – obwohl sie sich in Siders befanden (das heißt in derselben Stadt…). Vorsicht ist geboten, denn Bienne wird zu Biel, aus Bâle wird Basel und aus Zurich…. Zürich!

 

In den Supermarkt zum angewandten Lernen

In der Schweiz kann sich ein Abstecher in einen Supermarkt als sehr nützlich erweisen: das Etikett Ihres Schaumbads vervollständigt auf spielerische Art Ihren praktischen Wortschatz mit Bain moussant und Bagnoschuma. Für die Milch fügen Sie Lait und Latte hinzu, die Butter läuft unter Beurre und Burro. Das steht auf den Verpackungen und kann im Bad oder beim Frühstück gelernt werden. Praktisch, finden Sie nicht?

 

Im Paradies der Übersetzer: ein Reisepass in 5 Sprachen

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Die Schweiz legt ihre offiziellen Dokumente in den 4 Landessprachen auf. Sie ist zum Paradies für Übersetzer und zum Zufluchtsort für Dolmetscher geworden! Tausende Wörter werden jeden Tag von einer Legion von Spezialisten übersetzt. Zum Glück werden die Tonnen Papier heute durch digitale Dokumente ersetzt – das benötigt weit weniger Platz. Und wer über den dicken Schweizer Reisepass staunt: er wird in 5 Sprachen verfasst und würdigt auch die Sprache, die auch in der Schweiz immer mehr Platz einnimmt: Englisch.

 

Reden Sie in Ihrem Alltag eine zweite oder sogar dritte Sprache? Sagen Sie uns in den Kommentaren, welche es sind.

Von Rita Balesi

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