Die wichtigsten italienischen Gesten

Sprachen lernen Juli 23, 2019

Was ist das Erste, das Ihnen in den Sinn kommt, wenn Sie an Italien denken? Essen vermutlich. Doch ziemlich sicher auch – bloß keine falsche Scheu, Sie dürfen ehrlich sein – wie laut die Italiener sein können und wie unmöglich es ihnen ist, beim Sprechen nicht wild mit den Händen zu gestikulieren. Gesten sind ein nicht wegzudenkender Teil der italienischen Sprache und für deren Sprecher so natürlich, dass sie sich dessen erst bewusstwerden, wenn ein Ausländer sie fragt «Was bedeutet nun das wieder?». An diesem Punkt beginnt der oder die Betroffene voller Stolz zu erklären, was ‘das’ bedeutet – und wieder einmal verlieren wir uns in den unendlichen Weiten der italienischen Gesten.

Wenn Sie also eine Reise nach Italien geplant haben oder ganz einfach verstehen wollen, was Ihre italienischen Freunde eigentlich mit den Händen erzählen, haben wir hier die Erläuterung der sechs häufigsten italienischen Gesten.

Was zum Teufel…?

Die Königin der italienischen Gesten und die wohl bekannteste auf der ganzen Welt – aber auch die am häufigsten falsch angewandte! So wie alle anderen italienischen Gesten sollte auch diese unbedingt vom entsprechenden Gesichtsausdruck begleitet werden, damit das Gegenüber auch wirklich versteht, was man ausdrücken möchte. Die Finger zusammentippen und die Hand hoch und runter bewegen kann so viel heißen wie: «Was zum Teufel tust/sagst du da?», «Was ist hier los?» oder ganz einfach «Was zum Teufel?». Normalerweise hat diese Geste eine leicht negative Konnotation – und das sollten Sie mit dem passenden Gesichtsausdruck untermalen!

Das interessiert mich einen Dreck!

Wie Sie sich vermutlich vorstellen können, ist die so genannte Chin-Flick-Geste vor allem bei der jüngeren Generation verbreitet, doch sie beschränkt sich keineswegs nur auf die Jugend! Sie sieht zwar ein bisschen aus wie eine Beleidigung, doch dem ist nicht so. Es heißt ganz einfach «Ist mir egal/ interessiert mich einen Dreck». Um der Geste die nötige Wirkung zu verleihen, sollte sie von leicht heruntergezogenen Mundwinkeln untermalt werden. Ihre Mutter schimpft mit Ihnen? Chin Flick. Ihre Freunde wollen etwas unternehmen, wozu Sie keine Lust haben? Chin Flick. Nur bei Ihrer Lehrperson sollten Sie diese Geste besser vermeiden…

Gruselig, was?

Bei dieser Geste müssen Sie die Fingerspitzen mehrmals schnell zusammentippen. Sie kann in zahlreichen Situationen angewendet werden und ihre Bedeutungen reichen von «Dieser Film war echt gruselig!» bis zu «Du hast die Hosen voll, nicht wahr?» Die Geste drückt Unbehagen aus, egal, wovon dieses ausgeht. Der ängstliche Gesichtsausdruck hängt vom Kontext ab und davon, wie ernst die Angelegenheit ist.

Wie langweilig!

Bei dieser italienischen Geste ist die begleitende Mimik extrem wichtig! In erster Linie gehören dazu ein Augenrollen und aufgeblasene Backen. Dann wölben Sie die Hände, so als trügen Sie einen Ball in jeder Hand, und bewegen diese auf und ab. Mit dieser Geste drücken Italiener maximale Langeweile aus, oft begleitet von einem «Che palle!» (Ja, ‘palle’ heißt Bälle bzw. Eier). Auch diese Geste ist eher nicht gegen Ihre Lehrperson zu richten…

Pass auf!

Diese Geste ist ziemlich direkt. Zeigen Sie auf Ihr Auge und sagen Sie «Occhio!», was wortwörtlich «Auge!» heißt, im übertragenen Sinne aber so viel bedeutet wie «Achtung/Pass auf/Sei vorsichtig/Halt die Augen offen!». Sie können damit beispielsweise Ihren Freund auf der anderen Straßenseite vor dem Überqueren warnen oder Ihren kleinen Bruder ermahnen, der auf dem Spielplatz herumrennt, ohne auf die anderen Kinder achtzugeben. Normalerweise gehört dazu ein ernster Gesichtsausdruck, damit das Gegenüber versteht, dass Vorsicht geboten ist.

Kaffee, bitte!

Und zu guter Letzt… unsere Lieblingsgeste! In Italien ist Kaffeetrinken ein wichtiges (wenn auch kurzes) Ritual. Man geht an den Tresen, bestellt einen Espresso, trinkt diesen in zwei, drei Schlucken, hinterlässt einen Euro und geht wieder. Das Ganze dauert maximum drei Minuten! Caffè espresso ist ein sehr starker, kurzer Kaffee, deshalb wird er in kleinen Tassen serviert. Er dient nebst dem sozialen Austausch auch als Ausrede für eine kleine Pause, normalerweise je einmal am Morgen, nach dem Mittagessen und am Nachmittag. Diese italienische Geste ist perfekt, wenn Sie Ihrem Arbeitskollegen oder Ihrer Kollegin im Büro unauffällig dazu auffordernd möchten, einen Kaffee trinken zu gehen. Sie können damit aber auch den Kellner im Restaurant nach dem Essen um einen Kaffee bitten.

Denken Sie daran: Ihr Italienisch gilt erst als fließend, wenn Sie die italienischen Gesten richtig anzuwenden wissen! Wenn Sie erst einmal die wichtigsten Handbewegungen beherrschen, werden Sie schon bald fähig sein, ganze Konversationen zu führen mit Ihren Händen – und endlich Ihre italienischen Freunde verstehen können!

Sprechen Sie mit den Händen!

Von Erica Dell'Acqua

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