Zweisprachige Jobs: Wie Pflegekräfte ihre Karriere durch Sprachkenntnisse bereichern können

Karriere Mai 12, 2020

Am 12. Mai wird an den Jahrestag der Geburt von Florence Nightingale erinnert – zu ihren Ehren wird seit vielen Jahren an diesem Tag weltweit der Internationale Tag der Pflege gefeiert. Aufgrund der großen Bedeutung professioneller Pflege für die Gesellschaft generell und des besonderen Einsatzes der weltweiten Pflegekräfte, den wir in den vergangenen Wochen alle beobachten durften, haben wir uns entschieden, uns etwas eingehender mit dem Thema zu beschäftigen und uns zu überlegen, wo sich die Welt der Pflege und die Welt der Sprachen treffen.

Um einer Antwort auf diese Frage näherzukommen, haben wir Maria, eine Krankenschwester aus Spanien, interviewt, die diesen Beruf unter anderem längere Zeit im Vereinigten Königreich ausgeübt und entsprechende Erfahrungen gesammelt hat. Inzwischen ist Maria wieder in ihre Heimatstadt zurückkehrt und hat sich bereit erklärt, mit uns über ihre Zeit im Ausland zu sprechen. Maria hat zunächst eine Ausbildung im Bereich Pflege in Spanien absolviert und dort einen Master in Palliativpflege abgeschlossen, bevor sie nach Swindon, eine kleine Stadt in England, zog, um dort für das britische Gesundheitssystem als Pflegekraft zu arbeiten.

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Wie in vielen anderen Ländern wird auch im Vereinigten Königreich häufig auf Fachkräfte aus dem Ausland zurückgegriffen, um einen Mangel im eigenen Land auszugleichen. Maria kann dies nur bestätigen: Sie berichtet, dass der Großteil des medizinischen Personals, mit dem sie während ihrer Zeit im Vereinigten Königreich zusammengearbeitet hat, nicht von dort kam, sondern aus verschiedenen europäischen und anderen Ländern wie Australien, den Philippinen und Pakistan.

Die Tatsache, dass in Spanien – ebenfalls wie in vielen anderen Ländern – ein beachtliches Ungleichgewicht zwischen ausgebildeten Pflegekräften und verfügbaren Jobs besteht, betrachtete Maria als Chance, um für längere Zeit ins Ausland zu gehen, um sich dort weiterzubilden und ihre Karriere voranzubringen. Die ersten drei Monate im Vereinigten Königreich beschreibt Maria als echte Herausforderung: „Als ich mich auf die Reise machte, war ich eigentlich der Meinung, ich könne Englisch“, erzählt sie. Dort angekommen musste die spanische Krankenschwester jedoch feststellen, dass es noch einiges zu lernen gab: Dabei ging es nicht nur um verschiedene Akzente und neue Terminologie, sondern auch um die Fähigkeit, neue Informationen in kürzester Zeit zu verarbeiten, um angemessen reagieren zu können. Da Maria jedoch schon einmal im Ausland gearbeitet hatte, gewöhnte sie sich recht schnell ein und war bald in der Lage, auch in der englischsprachigen Arbeitsumgebung kompetent zu arbeiten. An dieser Stelle weist sie uns darauf hin, dass Pflegekräfte aus dem Ausland den IELTS Test bestehen müssen, wenn sie im Vereinigten Königreich und in einem britischen Krankenhaus arbeiten wollen.

Als Maria sich an die englischsprachige Umgebung und das neue berufliche Umfeld gewöhnt hatte, entschied sie sich, in eine größere Stadt zu ziehen – auf der Suche nach neuen beruflichen Möglichkeiten und mehr Auswahl in puncto Reisen, Freizeit und Lebensstil. Besonders während ihrer Zeit in Bristol profitiert Maria auch im Beruf von ihrer Mehrsprachigkeit. Dort gab es zahlreiche spanischsprachige Patienten, so erzählt sie uns, die sich um einiges wohler fühlten, wenn sie ihre Symptome in ihrer Landessprache beschreiben konnten und jemand da war, der ihre Sprache sprach. In diesem Zusammenhang ein Hinweis: Wenn es um sensible Informationen wie beunruhigende Diagnosen oder Themen wie häusliche Gewalt geht, ist der Einsatz eines medizinischen Übersetzers bzw. Dolmetschers erforderlich.

Auf die Frage, wie sie ihre Englischkenntnisse nun wieder zurück in Spanien einsetzt, erzählt uns Maria eine außergewöhnliche Geschichte. In der medizinischen Abteilung, in der sie gleich nach ihrer Rückkehr arbeitete, gab es einen englischsprachigen Patienten, der vom medizinischen Team als «völlig außer sich und verwirrt» beschrieben wurde. Allerdings war diese Einschätzung allein der Tatsache zu verdanken, dass Marias Kollegen – auch wenn diese durchaus Englisch sprachen – nicht ausreichend vertraut mit der englischen Sprache waren, um zu wissen, wie sich ein englischer Muttersprachler ausdrückt, wenn es ihm schlecht geht. Da Maria sehr häufig mit kranken englischsprachigen Menschen zu tun hatte, war ihr schnell klar, was der Patient hatte und wie er sich fühlte und konnte entsprechend für Hilfe sorgen.

Als wir Maria fragen, was sie noch während ihrer Zeit im Ausland noch so alles gelernt hat, antwortet sie, dass diese Erfahrung einfach ihre gesamte Einstellung verändert habe. Durch die Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Kulturen und Lebensstilen habe sie an Offenheit und Lockerheit gewonnen und außerdem vieles in ihrem Beruf dazugelernt. Es sei sogar so, dass sie sich jetzt, zurück in Spanien, außerhalb ihrer Comfort Zone fühle und das Leben in England und all ihre Freunde, die in all den Jahren im Ausland zu Familie geworden waren, vermisse.

Den Rat, den Maria angehenden Pflegekräften gibt, ist einfach und deutlich: „Geht ins Ausland, wenn ihr die Möglichkeit dazu habt, und genießt alles, was euch dort begegnet! Ihr werdet nicht nur euren beruflichen Horizont erweitern, sondern völlig neue Perspektiven dazugewinnen und eine ganz neue Seite des Lebens entdecken – durch „einfaches“ Reisen ist dies nicht möglich.“ Zum Thema Sprache meint Maria, dass „man eine Sprache dann beherrscht, wenn man sie in unterschiedlichen Zusammenhängen einsetzen kann“ – also genau das, was man im Rahmen einer Arbeitserfahrung im Ausland lernt.

Wir von ESL sind sehr dankbar, dass Maria sich die Zeit genommen hat, um ihre Erfahrungen mit uns und unseren Lesern zu teilen. Es ist immer wieder interessant für uns und schön zu wissen, wie Sprachen dazu beitragen können, die Arbeit von Fachkräften zu verbessern und ihre Karriere zu bereichern.

Wir hoffen, dass alle, die sich bisher noch nicht sicher waren, ob sie den Schritt wagen und eine Auslanderfahrung im Ausland machen sollen, zum gleichen Schluss kommen wie Maria: Das wird eine unvergessliche Erfahrung – mit zahllosen Möglichkeiten für dein professionelles und persönliches Wachstum.Du benötigst Unterstützung bei deiner Suche nach einem Job im Ausland?

Im Ausland arbeiten mit ESL

Von Julia Hoyas

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